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Ein eigenes Fohlen aus der eigenen Stute

Der Wunsch, aus Ihrer eigenen Stute ein Fohlen zu ziehen, ist vielleicht stark, aber Sie sollten ernsthaft prüfen, ob sie die Voraussetzungen für eine gute Mutter erfüllt.

In jedem Frühling bringt der Anblick von munteren Fohlen mit ihren seltsam gespreizten Beinen wohl fast jeden Stutenbesitzer dazu, über eine Bedeckung seiner Stute nachzudenken. Wenn man diese wunderhübschen Babys vor Augen hat. denkt man unabhängig von bereits gemachten Erfahrungen über eine Mutterschaft der eigenen Stute nach, auch wenn man noch nie ein Fohlen gezogen hat. Man stellt sich vor, was für ein gutes Fohlen die Stute hätte; man kann förmlich hören, wie sie mit tiefen Brummlauten zu dem Neugeborenen an ihrer Seite spricht.

Bevor Sie sich jedoch auf die Suche nach einem passenden Hengst machen, denken Sie daran dass die Entscheidung, ein neues Pferd in die Welt zu setzen, eine rationale und keine gefühlsmäßige sein sollte. Lassen Sie Ihre idyllischen Vorstellungen von einem perfekten Fohlen beiseite und konzentrieren Sie sich auf die Stute. Vergessen Sie einmal Ihre Gefühle für Ihre Stute und fragen Sie sich, ob sie wirklich eine gute Mutter abgeben würde und ob ein Fohlen von ihr einen sinnvollen Beitrag zur Pferdewelt leisten könnte. Informieren Sie sich ganz genau über die Gesundheit Ihrer Stute, über Ihre eventuelle züchterische Vorgeschichte und beurteilen Sie ganz ehrlich.


Haben Sie eine gesunde und leistungsfähige Stute?

Bei den vielen Pferden jährlich, die als Schlachtpferde aus Deutschland exportiert werden, kann man sagen, daß offenbar viele Pferde unerwünscht sind. Und bestimmt wäre es für eine große Zahl von Stuten besser gewesen, sie wären nie gedeckt worden. Bevor Sie also mit Ihrer Stute zum Hengst fahren, seien Sie ehrlich mit sich selbst, was Ihre Motive angeht, akzeptieren Sie die Verantwortung für das Fohlen, das Sie bekommen werden. Wenn Sie die Absicht haben, Ihren eigenen Spitzen-Reiner oder ein hervorragendes Dressur- oder Springpferd zu züchten, dann muß Ihre Stute körperlich und von ihrem Wesen her für den jeweilige Sport geeignet sein. Natürlich sollte auch der Hengst auch geeignet sein, aber wenn Ihre z .B . hohe Beine, eine kurzen Hals und einen langen Rücken hat und sich vor allem erschreckt was sich bewegt, dann ist es recht unwahrscheinlich., dass ihr Fohlen ein Springpferd wird.

Vielleicht wollen Sie einfach nur ein Fohlen aufziehen, weil es Ihnen Freude macht. Das ist ja auch in Ordnung, doch wenn das Fohlen dann heranwächst und Sie es verkaufen wollen, sollte es die positiven körperlichen und mentalen Eigenschaften haben, die es für andere Pferdeleute interessant machen, so daß es in gute Hände kommt. Wenn Sie nicht im voraus darüber nachdenken, kann es Ihnen passieren, daß Sie ein Pferd ohne Zukunft züchten.

Was Sie also brauchen, ist eine Stute, die ihre Leistungsfähigkeit bewiesen hat und dabei gesund geblieben ist.

Ist Ihre Stute in guter Zuchtkondition?

Das ideale Gewicht der Zuchtstute war schon immer Gegenstand heißer Debatten. Jahrelang war die eine Seite davon übel7.eugt, daß schlanke Pferde besser aufnähmen und leichter abfohlten, während die andere sich vehement für die Stute im "Rubens"- Typ aussprach. Vor einigen Jahren verglich man in USA diese beiden Typen und stellte fest, daß Stuten, die "gut dabei" waren, häufiger und schneller aufnahmen als ihre schlankeren Kolleginnen.

Am besten ist also eine gesunde und aktive, jedoch etwas rundliche Stute ohne irgendwelchen frischeren Lahmheiten.

Hat Ihre Stute das richtige Alter für die Zucht?

Pferdeleute sind sich im allgemeinen darüber einig, daß eine Stute nicht vor dem Alter von drei Jahren gedeckt werden sollte, weil sie erst dann körperlich ausgereift ist (Wildlebende Stuten beginnen häufig im Alter von zwei Jahren, überspringen aber dann die nächste Decksaison.) Untersuchungen zeigen, daß sechs- und siebenjährige Pferde die höchste Fruchtbarkeitsrate aufweisen und daß manche Stuten im Alter von ungefähr zwölf Jahren beginnen, unregelmäßig zu rossen, schlecht aufzunehmen und evtl. das Fohlen nicht voll austragen, insbesondere wenn sie immer im Natursprung gedeckt worden sind. Bei künstlich befruchteten Stuten sind Fruchtbarkeitsprobleme selten, bis sie etwa 16 sind. Forscher an der Universität von Idaho stellten fest, daß die 18 jährigen und älteren Stuten, die dort gedeckt wurden, etwa 30% schlechter tragend wurden als die untersuchten jüngeren Stuten. Dazu war die Abfohlrate bei den älteren Stuten 28 Prozent geringer und der Prozentsatz der Schwangerschaftsverluste ein Viertel höher als bei den jüngeren Stuten. Die Zeit zwischen zwei Eisprüngen kann bei einer älteren Stute bis zu zwei Wochen länger dauern als bei jungen Stuten (39 Tage im Gegensatz zu 25). Bei einer anderen Untersuchung fanden die Forscher heraus, daß die Ovulation ~i älteren Stuten der von jüngeren Stuten entsprach, wenn die Stuten eine speziell auf den Bedarf älterer Pferde zugeschnittene Fütterung erhielten.

Auch den Eizellen einer Stute tut das Alter nicht gut In einem Forschungsprojekt entnahmen Forscher älteren (20 Jahre und mehr) Stuten Eizellen und übertrugen sie in die Eileiter von jungen, künstlich besamten Stuten. Weniger als ein Drittel dieser Eizellen entwickelte sich bis zum 12. Tag zu einem Embryo. In der Kontrollgruppe wurden bei den jüngeren Stuten aus 11 von 12 Eizellen Embryos.

Sowohl die bereits häufig eingesetzte Zuchtstute wie auch die Maidenstute haben altersspezifische Fortpflanzungsprobleme. Mit jeder Trächtigkeit dehnt sich der Uterus einer Stute mehr aus, entwickelt Zysten und Narbengewebe und ist einfach nicht mehr unversehrt. Dagegen neigt der Uterus einer Stute, die noch nie ein Fohlen hatte, eher zum Gegenteil. Das Gewebe kann zu spröde werden, so dass schon beim Decken die Gefahr von Geweberissen besteht, die wiederum zu einer Bauchfellentzündung und sogar zum Tode führen können.

Lassen Sie Ihre Stute vor der Bedeckung ausführlich untersuchen, um eine verantwortungsvolle Zucht zu garantieren und das Leben von Stute und Fohlen nicht zu gefährden. Ein Tierarzt wird die Stute dann innerlich untersuchen. Dies geschieht normalerweise, indem er einen behandschuhten Arm in den Darm der Stute einführt und ihre Fortpflanzungsorgane abtastet. Dabei sucht er Abweichungen, wie z.B. Zysten oder Tumore, und er kann die Größe und Struktur der Eierstöcke sowie den Tonus der Gebärmutter feststellen. Während der Untersuchung achtet er auch auf irgendwelche Anzeichen von Infektionen oder Entzündungen der Gebärmutter, häufigste Ursachen für schlechte Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit bei Pferden. Normalerweise kann ein Pferd mit einem gesunden Uterus eine Infektion innerhalb von ein bis zwei Tagen überwinden, aber bei vielen Pferden, insbesondere, wenn sie schon älter sind, wird man sie einfach nicht los.

Erwünscht ist also eine Stute mit normalen Abwehrkräften gegen Entzündungen und gesunden Fortpflanzungsorganen.

Infektionen können behandelt werden, eine geknickte Scheide kann operativ behoben werden, die Aufnahmefähigkeit kann durch Hormontherapien gefordert werden, den Leibesumfang kann man in den Griff kriegen. Man kann versuchen, die Kuhhessigkeit seiner Stute einfach zu leugnen, indem man sie zu einem Hengst mit Bilderbuchbeinen bringt. Aber die Überwindung all dieser Hindernisse kostet Zeit, Energie und Geld und wenn Sie sich entschließen, mit einer Problemstute zu züchten, dann laufen Sie Gefahr, diese Unvollkommenheiten an die nächste Generation weiterzugeben, wo sich dann ein anderer Besitzer damit rumschlagen muss.

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