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Die Natur kennt keine Gnade
Teil 3

Ohne Regeln geht es nicht

Ein gutes Pferd hat ein Papier (Abstammungnachweis - Pedigree ). Nur bestimmte Organisationen ( Pferdezuchtverbände ) sind berechtigt Abstammungsnachweise auszustellen. Die Erlaubnis dazu erteilt der Staat. Während zunächst der Züchter selbst die Regeln bestimmte (Intuition, Erfahrung), erkannten die Herrscher der einzelnen Länder früh, daß ihre Macht von der Verfügbarkeit einer großen Anzahl guter Kriegspferde abhing, und eine planmäßige Zucht in sogenannten Militärgestüten begann. Ihre Aufgabe war die Zucht von Kriegspferden bzw. die Bereitstellung von Landbeschälern für die Landeszucht. Mit sinkender Bedeutung des Pferdes als Kriegsgerät wurde das Privileg der Hengsthaltung, das früher nur in der Hand des Adels oder des Staates lag, zunehmend mehr bäuerlichen Betrieben zugänglich. So entstanden neben den staatlichen Gestütsverwaltungen Hengsthalterverbände und Zuchtgenossenschaften, um zunächst die Haltung eines Deckhengstes zu finanzieren, bzw. zu ermöglichen. Mit den Militärgestüten war eine planmäßige Zucht entstanden. Jedes Pferd wurde genau beschrieben und durch einen Brand gekennzeichnet,

jede Bedeckung sowie besondere Leistung wurde genau aufgezeichnet in den sogenannten Zuchtbüchern. Mit der Zeit übernahmen die Zuchtgenossenschaften - neben der staatlichen Hand - die Führung der Zuchtbücher, die wichtige Grundlage für jede Zucht sind. Oberste Behörde für die Pferdezucht ist das Landwirtschaftsministerium, das die Zucht durch Zuchtverbände reglementiert, die früher viel strenger und ausschließlich dafür sorgten, daß nur, wer Mitglied in einem Zuchtverband war und die Auflagen einhielt, züchten durfte. Wer sich nicht unterordnete, mußte wegen "Schwarzdecken" mit einer Anzeige und saftigen Geldstrafen rechnen. Durch die EG Richtlinien ist seit 1990 die staatliche Körung nicht mehr Pflicht, es bleibt nunmehr der Verbandshoheit überlassen, ob eine Körung stattfinden soll.

Die Aufgaben eines Zuchtverbandes sind klar definiert: Organisation der Stutbuchführung, Zuchtplanung zur Sicherstellung des Zuchtfortschrittes, Regelung der Absatzfrage (Auktionen), Einflußnahme auf die Leistungsprüfung.


Zuchtverbände bestimmen in der Zucht

Alle Zuchtverbände haben eines gemeinsam: Sie reglementieren die Zucht. Es muß ein Zuchtziel geben, damit gewährleistet ist, daß ein Haflinger aus München genauso aussieht wie ein Haflinger aus Hamburg. Beide sollten dann noch ähnlich aussehen wie ein Haflinger aus Tirol, dem Ursprungsland. Um das zu sichern, setzen die Zuchtverbände einen Standard (Zuchtziel) fest, dem die Zuchtprodukte möglichst entsprechen sollen, und führen ein Zuchtprogramm durch. Für jede Rasse liegt zwingend eine Zuchtzielbeschreibung vor, eine Vorgabe, die möglichst genau schildert, wie die Pferde auszusehen haben. Der Züchter muß Mitglied im Zuchtverband sein, und sein Pferd muß am Zuchtprogramm teilnehmen, d.h. nach geltenden Vorschriften ins Zuchtbuch eingetragen sein. Da Pferde nicht mehr wirklich gebraucht werden, unterliegt die Zucht den Anforderungen des Marktes, da nur die Möglichkeit, zu verkaufen, ein Züchten ermöglicht. Damit ändern sich mit der Zeit die Ansprüche, die an ein Pferd gestellt werden und folglich sein Aussehen, bzw. Wesen, so daß aus dem nervenstarken Haflinger, dem trittsicheren Gebirgspferd, das hohe Lasten tragen konnte, mittlerweile ein vom Gebäude her leichteres, viel eleganteres, sportliches Freizeitpferd mit der Fähigkeit zum Springen geworden ist.


Was der Markt verlangt

Die schlimmste Befürchtung des Züchters ist, am Markt vorbei zu züchten, Pferde zu produzieren, die nicht gekauft werden. Daraus wurde gefolgert, daß sich der Züchter ja nur am Markt orientieren muß, um seine Pferde absetzen zu können. Leichter gesagt, als getan, denn hier wohnen Erfolg und Mißerfolg sehr dicht beieinander. Gezüchtet wird, was der Markt verlangt und solange schnell verkauft werden kann. Natürlich erfordert dies, daß der Züchter dann auch Pferde anbieten kann, die dem momentanen Geschmack, bzw. Trend entsprechen. Modetrends sind ein bekanntes Phänomen aus der Schnellebiegen Industrie. Wer rechtzeitig den Trend erkennt und das Gefragte anbieten kann, wird gut verdienen. Angelockt durch die große Nachfrage, springen auf einmal Leute "auf den Zug auf', die kurzzeitig an dem Boom teilhaben wollen. Sicher sollte ein Züchter bereits rechtzeitig einen künftigen Käufer (Zielgruppe) im Auge haben und dessen Wünsche und Ansprüche kennen. Aber der Versuch, nach Modetrends zu züchten, führt unweigerlich dazu, daß man immer einen Schritt hinter dem her ist was der Markt momentan gerade wünscht und dabei wird die Genbasis der Zucht bei jeder Generation ganz erheblich geschmälert. Denn nur Pferde, deren Erscheinungsbild dem momentanen Zeitgeist entsprechen, können sich durchsetzen, die anderen keineswegs. Schlechtere Pferde finden keine Unterstützung, dadurch gehen mit der Zeit wertvolle Blutlinien verloren. Nebenbei riskiert ein "Aus-der-Mode-Kommen", daß plötzliche Änderungen im Geschmack der Interessenten dazu führen, daß, was gestern noch ein Renner war, heute ein Ladenhüter sein kann. Hier gibt es dann keinen Mittelweg mehr, solche Pferde sind "out". Wie in der Zucht um einfarbige Pferde (Schwarzbraun, Rappe, ect.), viele bunte Füchse zu finden sind, so gibt es in der Farbzucht plötzlich einfarbige Pferde oder Pferde mit unerwünschten Abzeichen. Hier sinkt natürlich der Marktwert ganz rapide.

Um seinen Züchtern den Weg zu weisen und die Qualität zu sichern, hat der Verband ein Instrumentarium, das er einsetzen kann. Wichtig ist zunächst eine Bestandsaufnahme (Registrierung), eine Einteilung in Qualitätsgruppen (Haupt- und Stammbuch, bzw. Vorbuch), sowie eine Selektion nach Exterieur (Körung, Eintragung) und durch Leistung (Leistungsprüfung, Gewinnsumme). Seit einigen Jahren wird eine Verknüpfung von beidem, schön und leistungsfähig, unter der Bezeichnung "Top Elite" angeboten. In Anlehnung an den Auswahlmechanismus der Natur versucht der Mensch, die Elterntiere - in aller Regel den Vater - auf seine Leistungsfähigkeit und bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften zu prüfen, die sogenannte Hengstleistungsprüfung (HLP) soll Aufschluß über die Leistungsfähigkeit geben. .


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