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Die Natur kennt keine Gnade
Teil 1

"Die Natur kennt keine Gnade", so lautet eine Grundwahrheit, die immer zitiert wird, wenn der Begriff "natürliche Selektion" ins Spiel kommt. Die natürliche Selektion erklärt sich wohl am leichtesten durch den Leitsatz des Naturforschers Charles Darwin, der besagt, daß nur der Stärkste überlebt, nach dem Prinzip der Auslese und Ausmerze durch den Kampf ums Dasein, denn es muß gewährleistet werden, daß sich die Stärksten für den Kampf ums tägliche Futter fortpflanzen.


Nutztier des Menschen

Das Pferd spielt seit langer Zeit eine zentrale Rolle im Leben des Menschen. Zunächst als Nahrung und Opfer dienend, folgte schon bald der Einsatz als Zugtier vor dem Pflug und Streitwagen, schließlich die Nutzung als Reittier. Bald erwies es sich als kriegsentscheidender Faktor. Indem der Mensch begann, das Pferd zu nutzen, formte er es. Eigenschaften, die das Überleben in freier Natur von größter Bedeutung waren, erwiesen sich oft als störend für den Prozess der Nutzbarmachung: Wilde, mißtrauische Tiere erforderten mehr Arbeit, wurden nie ganz zuverlässig. Die ersten Auswahl- bzw. Selektionskriterien des Menschen waren daher ganz im Gegensatz zu denen der Natur ein ruhiges, umgängliches Temperament und schnelle Lernfähigkeit/Gelehrigkeit Erwies sich ein Pferd als ungehorsam bzw. nicht zähmbar, wurde es wieder freigelassen. Bald löste die Zucht das aufwendige, nicht ungefährliche fangen der Pferde ab und ermöglichte mit der Zeit auch den Besitz einer größeren Anzahl von Pferden. Eine ganz wesentliche Änderung trat auf, denn durch die zeit fiel die Auswahl des Vatertiers an den Menschen, somit begann die Einflußnahme des Menschen im Sinne einer " Verbesserung ", als da bestimmte Merkmale (hier Charaktereigenschaften), die dem Menschen nutzten, beim Hengst, als dem Vater der Fohlen, bevorzugt wurden. Dies ging zu Lasten der für das Überleben in freier Natur nötigen Eigenschaften und Fähigkeiten, die sich mit der Zeit zurückbildeten, und war nur möglich, weil der Mensch nun Schutz und Nahrung für das Pferd bereitstellte. Mehr und mehr Bedeutung kam der Aufzucht zu, dem Bestreben, die einem Pferd durch Vererbung mitgegebenen Anlagen zu fördern, indem man versuchte, alle Umwelteinflüsse optimal zu gestalten. Bei der Auswahl der Elterntiere stand deutlich die Brauchbarkeit des Pferdes im Vordergrund.


Für jeden Zweck das passende Pferd

Im Laufe der Zeit erwirkte der Mensch Zug um Zug eine deutliche Spezialisierung der Pferde auf bestimmte, gewünschte Eigenschaften oder Merkmale, die im Zusammenhang mit dem gedachten Einsatzzweck standen. Je nach Verwendungszweck bildete sich ein bestimmter Typ, später eine Rasse aus. Waren in der Ritterzeit noch schwere im Kaltbluttyp stehende Pferde nötig, kam mit Erfindung des Schießpulvers der Bedarf an wendigen, schnellen Kriegspferden. Durch Zuführung von orientalischem und später englischem Vollblut entstand das Halbblut, aus dem sich das leichte Warmblut als gutes Kriegs- und Allroundpferd entwickelte, das aber mit Auflösung des Heeres seinen Markt verlor. Von da ab wurde dem Repräsentationsbedürfnis des Menschen Rechnung getragen: Elegante Reit- oder Wagenpferde in ausgefallenen Farben wurden gezüchtet, die schön anzusehen

mit aufwendiger Gangart und kapriziösem Gehabe alle Blicke auf sich zogen. Sie waren allein zur Repräsentation gedacht und überdauerten alle Epochen. Ihr Besitz war Luxus, sie verkörperten Statussymbole, wie man wohl heute dazu sagen würde.

Durch die Industrialisierung und Motorisierung nach dem ll. Weltkrieg war das Pferd plötzlich vom Aussterben bedroht. Als Kriegspferd schon längst ohne Bedeutung, war jetzt auch das Wirtschaftspferd abgelöst worden und mangels Nachfrage der Erhalt der Spezies in Frage gestellt. Aber allem Unken zum Trotz entwickelte sich eine erneute Blüte für die Pferdezucht. Diesmal in Folge einer Liebhaberzucht für den Sport und etwas später dann für den immer mehr Freizeit gewinnenden Menschen als Ausgleich zur zunehmenden Technisierung. Was zunächst nur an Sonntagen

zur Freude der ländliche Züchter (und als. Vorbeuge gegen die Feiertagskrankheit der Arbeitspferde: Verschlag) stattgefunden hatte, wurde perfektioniert: Der Leistungsvergleich in Springen, Rennen und Dressur. Der Sport als Selbstzweck wurde aus der Taufe gehoben und mit ihm die neuen Ansprüche an das Pferd und dessen Gesundheit (schweres Springen z.B.). Die eher schweren Wirtschaftspferde wurden umgezüchtet, um den neu entstandene Bereich Sport zu bedienen. Ein neuer Typ, das Sportpferd entstand und führte zu einer zunehmenden Spezialisierung der Pferde, weg von der Vielseitigkeit hin zum Talent für Springen oder Dressur. In der Folge fand eine zunehmende Aufspaltung in reine Dressur- bzw. reine Springpferde statt, die in den jeweilige Bereichen ganz unglaubliche Leistungen erbrachten und ihren Marktpreis enorm steigerten. Der Liebhaberpreis entstand.

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